Texte über meine Malerei
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Über meine Malerei

Hier finden Sie weitere Gedanken darüber, was in mir vorgeht, wenn ich male. Wenn ich frei male.

 

Wenn ich mich mit einem Auftrag beschäftige, so ist die Vorgehensweise eine ganz andere, sie ist viel rationaler, da ich dann ganz zielorientiert arbeite. Die beiden Arten zu malen sind überhaupt nicht miteinander zu vergleichen.

 

 

 

Denn vergessen Sie nicht, dass die Kunst nur ein Weg ist, nicht ein Ziel“,

hat Rilke geschrieben. So sehe ich das auch. Im Übrigen glaube ich nicht, dass wir unser Leben in der Hand haben. Es hält uns in SEINER Hand. So wie durch jeden Künstler auch nur das kommen kann, was das Leben in ihn hineingelegt hat.

Kunst handelt vom Suchen und Finden der Wahrheit. Diese gefällt oder gefällt nicht. Je nachdem welcher Aspekt von Wahrheit durch den jeweiligen Künstler/ die jeweilige Künstlerin gerade offenbart werden soll. Da haben wir keine Wahl.

 

Was hat das Leben in mich hineingelegt? Was drängt als Kunst aus mir heraus?

 

Da ist zuerst einmal Chaos, Orientierungslosigkeit. Formlosigkeit, Ungreifbarkeit. Unsicherheit. Alles ist möglich, aber da ist vorerst nichts, das Halt gibt, niemand der eine Entscheidung trifft. Kein Anfang, kein Ende, keine Struktur, keine Gesetze. Und doch –-„Etwas“ ahnt Ordnung, ahnt verbindende Kräfte, ahnt Liebe, ahnt selbst – Gott. Nur – wo?

 

1983 dann Messpainting (nach Wolfgang Luthe) – ich beginne dem Chaos selbst Ausdruck zu verleihen. Bewältigung des Überwältigt-Seins. Aus Chaos wird Kosmos. Allmählich, über die Jahre werden Ordnungen erkennbar. Die „fliegenden, tanzenden Formen“ entstehen – sie erscheinen wie abstrakte Malerei, im Grunde aber sind sie einfache, erste Formen des Lebens.

 

Atome, Bakterien, Amöben, … Rhythmen entstehen, Klänge, Resonanzen. Formen kristallisieren sich heraus – gesponnen aus den Bewegungen des Lebens selbst. Erste Ahnungen von Wesen und Gegenständen erscheinen in den Bildern, Fisch- und immer wieder Vogelartiges. Mit der Zeit betreten auch komplexere Geschöpfe die Bühne. Geschichten beginnen sich zu formulieren, Märchenhaftes steigt auf. Das Einfache und Wesentliche daran erlebe ich als beruhigend, kraftvoll und erlösend.

 

Wie ein Kind, das im Mutterleib alle Stadien der Evolution durchläuft, so durchlaufen die Bilder meiner Freien Malerei den Weg der Schöpfung.

 

Heute beginne ich mit einer Verbeugung vor dem Chaos – dann erlaube ich ihm, sich im Prozeß des Malens zu zeigen und zu ordnen. – Tatsächlich liegen große Schätze im Chaos verborgen! – Oft male ich lange ohne zu wissen, was entstehen wird. Ein Bild ist fertig, wenn ich Leichtigkeit und Liebe gefunden habe. Dann staune ich und erfreue mich daran.

© Susanne Hauenstein 2005

 

Was ist Schöpfung?

Geschehenlassen. Absichtslosigkeit. Bei dem Ganzen bewußt dabei sein. In ständiger Rückkoppelung mit dem eigenen inneren Empfinden sein. Aufhören, wenn dem nicht so ist. Vorstellungen von künstlerischen, gewohnten, anerkannten Standards loslassen - immer auf die Gefahr hin, mißverstanden zu werden, was schmerzt. Der Freude auf der Spur ist höchster Maßstab. Von Augenblick zu Augenblick gleiten, Prozesse im Auge, aber lange keine Ergebnisse.

Lachen und albern Sein. Kindlich sein ohne es sein zu wollen. Naivität, wo sie durchbricht aus alter Zeit, zulassen. Gestalterische Brüche hinnehmen, weil etwas stimmen kann, auch wenn es nicht stimmt. Zwiesprache halten mit den entstehenden Inhalten der Bilder. Aha, so so! Neugierig sein. Einfach sein. Tollpatschig sein, oder raffiniert-geschickt. Unverkrampft sein. Leicht sein. Abenteuerspielplatz. Persönlich-unpersönlich sein. Arbeiten bis der Klang der Bilder stimmt.

Transformative Prozesse. Seelenarbeit. Seelenbabies. Ergebnisse der Erlebnisse. Natürlich, ja, die Komposition:- die Kommunikation der einzelnen Teile untereinander - die Weise, wie sie sich verbinden, Einheit werden. Gruppendynamik. Die Vielfalt sprechen lassen - ein Sack voller Flöhe und Reichtum zugleich. Staunen. Platz geben. Beiseite treten. Was will da werden?

Was ist Schöpfung? Plötzlich dann das Sich-Fügen aller Teile unter einem Geist, einer gemeinsamen Idee. Der Sinn der sich entfaltet. Kein Programm! Kein „hartes Arbeiten an der Form“! Eher Suchen und Finden. Abwarten. Den richtigen Zeitpunkt erkennen. Plötzlich entscheiden. Zuschlagen. Gesellschaften geben auf dem Papier. Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Am Ende - alle verwandelt (wie bei „Babettes Fest“). Elemente aus der UR-“SUPPE“ werden UR-BILD.

(9.12.98)

Poesie und gestischer Ausdruck

Meine Bilder spannen einen Bogen vom Schwerpunkt meines freien, künstlerischen Schaffens, - der Poesie - , zurück zum sichtbar gebliebenen rein gestischen Ausdruck, der fast allen Bildern zuerst einmal zugrunde liegt. Die spontane Geste dient somit entweder als Grundlage für spätere Übermalungen - oder sie wird, nach mehreren Durchgängen, selbst Bild.

 

Meine „Objets trouvés“ sind die Formen, die aus der Tiefe des Unbewußten aufsteigen, die der Spontaneität meines körperlichen Ausdrucks erwachsen und mir „zufall-en“.

(April 2000)

Stille Bilder

Ich habe nichts dagegen, wenn man meine Bilder als stille Bilder bezeichnet. Ich übermale das Schrille, Chaotische, Aufgeregte meiner vorübergehenden inneren Verfassungen so lange, bis etwas bleibt, das mir erhaltenswert erscheint. Und Stille ist für mich ein wunderbares Ergebnis. Oder auch die Poesie. Immer noch und nach wie vor. Die Welt ist laut genug. Ja, vielleicht möchte ich durch meine Bilder der Welt ein wenig Stille zurückgeben. Stille, in der das Eigentliche wieder aufscheinen kann.

Künstlerisch tätig sein in unserer Zeit heißt für mich vor allem, dass wir mutig genug sind, das wieder zu beseitigen, ja zu zerstören, was nicht echt ist, was verlogen ist. Wir sind Entlarver, Aufdecker, Detektive, Aufspürer falscher Bilder, falscher Werte.

Die eigentliche Arbeit des Künstlers/ der Künstlerin unserer Zeit besteht darin, die Bilder der Welt zu reinigen.

(19. September 2003)

Rot, Gelb, Blau

Naivität, wo sie in mir selbst beim Malen auftaucht, begrüße ich und prüfe ich und sie fühlt sich fast immer echter und authentischer an als irgendein raffiniertes Gekünstel oder vorstellungsgebundene Intellektualität.

In letzter Zeit male ich häufig nur mit den drei Grundfarben plus Schwarz und Weiß. Mir gefällt diese Einfachheit – und welche Möglichkeiten sich in ihr verbergen.

Ich bin eine Simplify your Life – Anhängerin – und finde sie auf diese Weise sogar in der Malerei.

(August 2004)

 





Acryl auf Leinwand, 1995


Die bildende Kunst beginnt niemals bei

einer poetischen Stimmung oder Idee,

sondern beim Bau einer oder mehrerer

Figuren, bei der Zusammenstimmung

einiger Farben und Tonwerte oder bei der

Abwägung von Raumverhältnissen usw.

Ob dann eine jener Ideen (poetischer

Inhalt) hinzukommt..., sie kann es, doch sie

muß es nicht.

 

Paul Klee, 1903